Behandlungsmöglichkeiten beim Hallux Valgus

Die Behandlung des Hallux valgus zielt immer darauf ab, in erster Linie die Schmerzen bei Belastung der Großzehe zu reduzieren und die Funktion zu verbessern. Hinzu kommt in sehr vielen Fällen auch der Wunsch der Patienten/innen einen sichtbaren kosmetischen Effekt zu erzielen, indem die Zehe wieder gerade wird.

Die allerwenigsten Patienten/innen wählen im Laufe ihres Lebens eine Operation.

 

Konservatives Vorgehen

 

Der richtige Schuh:

Das wichtigste ist es Schuhe zu tragen, die den Fuß und im Besonderen die Großzehe nicht in eine Zwangsstellung bringen. Manchmal können schon vorhandene Schuhe durch das Ausweiten am Zehenbereich (vom Schuster) oder durch Schuhstrecker etwas verbessert werden. Hinzu kommt auch, dass mit abnehmender Absatzhöhe die schädliche Biegebelastung an der Großzehe stark sinkt. Die American Academy of Orthopaedic Surgeons (aktuell weltweit die anerkannteste orthopädische Fachgesellschaft) rät frei übersetzt zu folgender Schuhwahl:

 

  • Kaufen Sie den Schuh nicht nach der angegebenen Größe, sondern nach der Passform
  • Wählen Sie einen Schuh der Ihrer Fußform nahe kommt
  • Da Ihre Füße möglicherweise unterschiedlich groß sind- wählen Sie bitte den Schuh für den größeren Fuß
  • Ihr Fuß ist am Nachmittag/Abend am größten à suchen Sie dann den Schuh aus
  • Probieren Sie den Schuh immer im Stehen an, denn Ihr Fuß wird unter Belastung länger und breiter
  • An der Ferse darf es nur zu sehr geringem Rutschen beim Gehen kommen
  • Besonders bei Kindern ändern sich die Größen sehr schnell

 

Damit alleine ist aber noch nicht alles erreicht.

 

Entzündungshemmung:

 

Lokale Entzündungshemmung direkt am Großzehengrundgelenk kann auch sehr hilfreich sein. Alleine durch die Reduktion der Schwellung des Schleimbeutels und des Gelenks hat der Hallux etwas mehr Platz. Zusätzlich können kleine Silikonkissen zur Druckentlastung ebenso direkt auf der Zehe verwendet werden. Eine Kältetherapie mit einem Coolpack wird auch als sehr angenehm empfunden.

Einlagen:

Einlagen sind entweder fix im Schuh verbaute oder herausnehmbare Sohlen, die die Druckaufnahme am Fuß beeinflussen können. Sie werden im Allgemeinen immer vom Arzt für den Patienten/in individuell angefertigt. Doty zeigte 2015, dass die Verwendung von Einlagen (bis zu den Zehen oder bis zum Mittelfuß) zu einer starken Druckabnahme im Fußsohlenbereich führt. Eine eindeutige Entlastung der Großzehe konnte nicht gezeigt werden. 2008 führte Hawke in der berühmten Cochrane Datenbank eine Untersuchung zum Thema Einlagen bei Fußschmerzen durch. Es wurden in Summe 1332 Patienten dabei überblickt. Es zeigte sich, dass Einlagen sicher sind (keine oder kaum Nebenwirkungen) und dass sie einen Effekt bei Hallux valgus haben, dass aber eine OP noch besser wirkt.

 

Platzhalter zwischen den Zehen:

Diese meist aus Silikon geformten kleinen bohnenartigen Dinger werden wischen 1. und 2. Zehe eingebracht. Während der Nacht kommt es somit zumindest zu einer Entlastung der Hautdruckstelle die sich häufig zwischen 1. Und 2. Zehe bildet. Eine bleibende Korrektur wird aber nicht erreicht.

 

Tapes:

 Karabicak untersuchte 2015 an 34 Füßen den Effekt von Kinesioptape und beobachtete eine sehr erfreuliche Abnahme von Schmerz und Verbesserung der Belastbarkeit bis zu einem Monat nach Behandlung.

 

 

Operation

 

Wenn die Fehlstellung oder der Leidensdruck durch konservative Maßnahmen nicht mehr in den Griff zu bekommen ist, empfiehlt sich ein chirurgisches Vorgehen. Es gibt Dutzende verschiedene Operationsmöglichkeiten, einige davon sind effektiv und sinnvoll, andere nicht! Wie eingangs erwähnt, ist der Hallux valgus ein Zustand bei dem mehrere andere mechanische Probleme am Fuß wirksam sind. Das OP- Verfahren muss also jede einzelne auslösende Ursache direkt behandeln, sonst besteht die hohe Wahrscheinlichkeit des erneuten Auftretens des Hallux valgus – man nennt das Rezidiv Hallux valgus. In Abhängigkeit von der Fehlstellung der Großzehe, der Abnützung des Großzehengrundgelenks und der Größe des Mittelfußwinkels wird das OP Verfahren dann ausgewählt:

 

Osteotomie

 

Hierbei wird am 1. Mittelfußknochen entweder direkt hinter dem Köpfchen der  Mittelfußknochen oder im Schaftbereich der Knochen durchsägt, dann in die richtige Stellung gebracht und dort verschraubt. Zusätzlich werden die Gelenkskapsel, und die Bänder so modifiziert, dass schließlich wieder ein physiologisches Bewegungsmuster entsteht. Van Griningen untersuchte 2016 den Effekt der Chevron OP (eine der häufigsten durchgeführten Hallux valgus Operationen) an mehr als 250 Füßen durchschnittlich 3 Jahre nach dem Eingriff. 88 % der Patienten hatten dann ein gutes oder sehr gutes Ergebnis.

 

Die Gelenksversteifung

 

Die sogenannte Arthrodese des Großzehengrundgelenkes wird nur bei deutlicher Zerstörung des Gelenksknorpels oder auf Dauer hoher zu erwartender Belastung empfohlen. Dabei wird das Gelenk vom verbrauchten Knorpel befreit und dann die Gelenkspartner in Funktionsstellung miteinander entweder verschraubt und oder verplattet.

 

Entfernen des Knochenhöckers

 

Bei der Operation nach Schede wird alleine das Entfernen des Knochenhöckers (das was am häufigsten optisch stört) vorgenommen und ist leider nicht effektiv. Die zugrundeliegende falsche Mechanik wird nicht behoben. Die meisten Patienten klagen nach sehr kurzer Zeit wieder über das Auftreten von Schmerz und Fehlstellung weshalb diese Operation nicht empfohlen wird.

 

Entfernen des zerstörten Großzehengrundgelenkes

 

Die sogenannte Keller- Brandes Operation wird heute nur mehr bei wenig mobilen Patienten/innen mit starker Gelenkszerstörung und schlechter Knochenqualität empfohlen. Aufgrund der Tatsache, dass Knochen weggenommen wird und nur mit „ Narbe“ aufgefüllt wird, verliert der Patient die Möglichkeit beim Gehen kraftvoll abzustoßen. Die Operation ist beim aktiven Menschen strikt abzulehnen.

 

Nach der Operation sollten im Allgemeinen mindestens mit 6-8 Wochen eingeschränkter Mobilität gerechnet werden. Hinzu kommt, dass für mehrere Wochen zumindest eine Therapiesandale zur Schonung der operierten Zehe verwendet werden soll. 

Hier gehts zu Teil 1: Was ist ein Hallux Valgus?