Turf Toe - Die verstauchte Großzehe

Wie kommt es zur Verstauchung der Großzehe?

Um den Mechanismus der Verstauchung und deren Folgen zu verstehen wollen wir zuerst kurz über die Anatomie des Fußes und Biomechanik des Gangbildes sprechen. Beim Gehen wie beim Laufen landet zuerst die Ferse am Boden (Kontaktphase, physiologischer Weise bringen wir dann mehr Druck auf den Fußaußenrand (Standphase). Schließlich kommen wir in die Abstoßphase bei der der Druck vom Fußaußenrand auf die Innenseite und da vor allem auf das Großzehengrundgelenk verlagert wird. Mit zunehmender Geh- oder Laufgeschwindigkeit steigt der Druck beim Abstoßen zum Teil auf ein vielfaches des Körpergewichtes an. Abhängig von der Dauer und der Intensität der Belastung können sich akute oder chronische Schäden entwickeln.

 

  • Akute Verletzungen findet man häufig in Zusammenhang mit einer Barfußsituation. Beispielsweise beim barfuß Spazierengehen, wenn man unerwartet in ein Loch steigt und dabei die Großzehe abrupt stark nach Fußrückenwärts gebeugt wird. Häufig finden wir diese Verletzung auch beim Fußball, wenn der Ball hart geschossen wird und dabei die Großzehen ebenso stark gebeugt wird.
  • Chronische Schäden finden wir bei Sprintsportarten. Hier ist es nicht die einmalige abrupte Kraft, sondern die vielfachen immer wieder kehrenden Überstreckungen des Gelenks. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist das sehr beliebte Barfuß-Joggen am Strand bei weichem Sand. Bei jedem Schritt wird in der Abstoßphase die Großzehe stark nach hinten gebeugt da der Abstoßdruck nicht vom Boden aufgenommen werden kann. Ähnliche Mechanismen finden wir z.B. im American Football wo die Athleten in der Startformation alle in Sprintstartstellung verharren. Häufig findet man die Verletzung auch bei Leichtathleten im Sprintbereich und auch bei Tänzern. Die Verwendung von Tartanböden, Spikes oder hartem Kunstrasenboden schienen für die Entstehung mitverantwortlich zu sein.

 

Welche Beschwerden werden berichtet?

Man unterscheidet abhängig von den Beschwerden und den zugrundeliegenden Verletzungen drei Grade.

 

Grad 1:

Die häufigste Verletzung ist lediglich eine Zerrung ohne Zerstörung des Gewebes.

Es werden geringe- mittelgradige Schmerzen und Schwellung direkt am Großzehengrundgelenk gefunden. Es besteht ein deutlicher Druckschmerz am Gelenk von fußsohlenwärts. Das Gelenk kann nur unter Schmerzen nach fußrückenwärts gebeugt werden.

 

Grad 2:

Es ist zu einer teilweisen Zerreißung der „plantaren Sehnenplatte“ mit zum Teil stark-schmerzhafter Schwellung und Blauverfärbung der Großzehe. Das Auftreten und vor allem das Abstoßen beim Gehen ist sehr schmerzhaft.

 

Grad 3:

Es ist zu einem kurzfristigen vollkommenen Verrenken des Gelenks gekommen. Die kurze Großzehenbeugesehne, die Plantarplatte und das innere Seitenband sind zerrissen. Das Gelenk hat keinerlei Festigkeit mehr. Es ist massiv schmerzhaft, nicht belastbar und stark geschwollen.

 

Die Behandlung der Großzehenzerrung:

 

Besonders hier ist die rasch einsetzende Behandlung sehr wichtig. Da so das starke Anschwellen etwas reduziert werden kann. Immerhin muß der Vorfuß und insbesondere die Großzehe beim Gehen und Laufen das gesamte Gewicht tragen. Die Behandlung ist bei Grad 1 und 2 Verletzungen immer konservativ. Wichtig ist die Verletzung ausheilen zu lassen, da als Hauptkomplikation sonst eine chronische Instabilität und auch Kraftverlust in der Abstoßphase möglich sind.

Bei Grad 1 Verletzungen ist eine Sportpause von bis zu einer Woche empfohlen. Das Tragen von Schuhen mit fester Sohle helfen der Zehe weniger Last beim Abrollen zu übernehmen. Großzehenbandagen und Tapes sowie regelmäßige Eispackungen sind ebenso hilfreich. Entzündungshemmende Maßnahmen (Tabletten oder Salben) sind auch empfohlen. Grad 1 Verletzungen heilen im Normalfall ohne Defizite aus.

Bei Grad 2 Verletzungen sind zusätzlich zumindest für einige Tage Krücken als Schmerztherapie und zur Entlastung angeraten. Ebenso sollten Therapieschuhe verwendet werden. Im Normalfall sollten 2-3 Wochen Sportpause eingehalten werden. Sportfreigabe erfolgt, wenn das Gelenk wieder voll stabil und nahezu schmerzfrei ist.

Liegt eine Grad 3 Verletzung vor so sind mindestens 6-8 Wochen Sportpause angeraten.

Krücken, Therapieschuhe ev. ein Therapiestiefle oder Gips sind dringend empfohlen. In einigen Fällen sollte die Beugesehne und die Plantarplatte genäht werden. Eine eindeutige OP- Indikation besteht, wenn nach der Verletzung Knorpel oder Knochenfragmente im Großzehengelenk abgesprengt worden sind, eine starke Tendenz zum Hallux valgus besteht oder eine großflächige Zerreißung der Plantarplatte und Verschiebung oder Bruch der Sesambeine besteht.

 

Zusammenfassung:

Die Verrenkung der Großzehe ist eine nicht zu unterschätzende Verletzung bei einer Vielzahl von Sportarten. Die Allermeisten davon heilen unter gezielter Therapie folgenlos aus. Besteht nach solch einer Verletzung eine spürbare Lockerheit des Gelenkes oder anhaltende Schmerzen, so sollte sehr schnell ein Experte kontaktiert werden. Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen erforderlich.