Ein sportmedizinisches Kitesurf- Update

 

Historisches:

Um 1820 wurde in England von George Pocock ein Lenkdrache entwickelt, mit dem Kutschen und kleine Boote gezogen wurden. Um den Drachen (eng. Kite) zu steuern verendete er dafür ein 4-Leinensystem. 1903 wurde der Man-lifting Kite an einem kleinen Boot befestigt und damit der Ärmelkanal überquert. Anfang der 1980er Jahre konstruierten die Brüder Strasilla und Kuhn Drachen mit denen sie Schier- Snowboards und kleine Buggys zogen. 1984 wurde der aufblasbare Lenkdrache patentiert. Ende 1990 wurde Corey Roesler zum wohl weltweit ersten echten Kiter.

 

Sonnenschutzmaßnahmen bei Kitesurfer:

2016 wurden knapp 100 Kitesurfer auf Martinique zu Ihrem Schutzverhalten bezüglich Hautschäden durch Sonnenstrahlen befragt. 98% der Kitesurfer hatten eher hellen Hauttyp. 74% aller Sportler gaben an innerhalb der letzten 6 Monate einen Sonnenbrand gehabt zu haben, 5% hatten schweren Sonnenbrand. Die allermeiste verwendete Sonnenschutzkleidung während sie am Wasser waren. Mehr als die Hälfte aller Kitesurfer waren noch nie beim Hautarzt zur Hautkrebsvorsorgeuntersuchung.

Für die eigene Gesundheit ist auch anzufügen, dass vor allem im Bereich der Ohren häufig Probleme bei Wassersportlern gefunden werden. Die ständige Nässe, Luftzug und vor allem auch die Kälte durch den Windchill können einerseits zu sehr schmerzhaften akuten Entzündungen im äußeren Gehörgang führen, andererseits aber auch zu Verengung des Gehörganges bedingen. Hierbei kommt es zu einer knöchernen Enge vor dem Trommelfgell, die die Hellhörigkeit auf Dauer beeinträchtig. Eine aktuelle Studie aus Irland zeigte bei 2/3 der untersuchten Surfer bereits daß deutliche Vorliegen dieses Phänomens, Es konnte ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Dauer beim Surfen und dem Auftreten des Problems gezeigt werden.

 

Biomechanische Herausforderungen beim Kiten (Abblidung):

Die Wasseroberfläche ist beim Kitesurfen nahezu nie glatt, sondern mehr oder wenig wellig. Abhängig vom Wellenabstand, Wellenhöhe, Wellenform (eher spitz oder rund) sowie der Fahrgeschwindigkeit des Kitesurfers entstehen Vibrationen. Diese können einerseits störend sein, andererseits aber eventuell auch schädlich. Eine experimentelle Studie hat gezeigt, dass beim Kitesurfen bereits nach wenigen Minuten Ganzkörpervibrationsdosen erreicht werden die laut EU Standards im bedenklichen Bereich liegen.

Betrachtet man die Belastungen des Körpers während des Kitesurfens so zeigt sich, dass vor alle die Lendenwirbelsäule und die Wadenmuskulatur besondere Haltearbeit ausgesetzt werden. Durch die relativ statische Belastung werden auch oft über Schmerzen in der Bauchmuskelregion, den Kniegelenken und Ellenbögen/Unterarmen berichtet.

 

Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls der einen Arztkontakt erforderlich macht liegt bei Hobbykitesurfer bei ungefähr eins auf 150 gesurfte Stunden. Als häufigste Unfallursache wird das zu späte Trennen des Kites vom Trapez genannt vor allem bei misslungenen Tricks und Sprüngen. Am häufigsten wird die untere Extremität gefolgt von der oberen und Brustkorb/Kopf verletzt. Abschürfungen und Prellungen sind die häufigsten Verletzungen gefolgt von zum Teil schweren Knie- und Schulterverletzungen durch Teil- oder Totalverrenkung. Leider finden sich auch jedes Jahr eine steigende Anzahl an tödlichen Verletzungen. Eine Studie aus Kapstadt, Südafrika untersuchte 30 Helikoptereinsätze bei denen Kiter geborgen werden mussten. Das Gute zum Anfang, obwohl zum Teil lebensbedrohliche Situationen vorlagen konnten alle Kiter gerettet werden. 25 Kiter konnten sich nicht, wie zuvor erwähnt nicht von Ihrem Kite befreien. Die Empfehlung in dem Artikel war, nach Möglichkeit immer mit einem Partner aufs Wasser zu gehen und sich intensiv mit den eigenen Sicherheitsmaßnahmen vertraut zu machen.

Über den Profisport gibt es keine Daten, es scheint aber zu einer massiven Steigerung der Verletzungen zu kommen.

 

Zusammenfassung:

Kitesurfen ist ein relativ junger Sport. Dies zeigt sich auch an der nicht besonders reichhaltigen medizinischen Literatur. Eindeutig sind aber folgende Schwerpunkte festzustellen. Die stundenlange zum Teil sehr starke Sonneneinstrahlung wird unterschätzt. Dermatologen empfehlen regelmäßiges Auftragen von wirksamen Sonnenschutz alle 2 Stunden. Der Schutz des Ohres mit wasserfesten Ohrstoppeln kann akuten und auch chronischen Beschwerden vorbeugen. Betrachtet man die Verletzungen gesondert, so springen 2 Dinge ins Auge:

  1. Die Unkenntnis der Kitesurfer wie man den Kite in der Not sofort abwirft, und
  2. dass die Gruppe der Kiter die Tricks macht und springt am häufigsten verletzt ist.

 

Dies deckt sich eindeutig mit meiner jahrelangen Erfahrung als Arzt und Kiter, der ich vielfache zum Teil schwere Verletzungen an den Kniegelenken, Schultergelenken und Sprunggelenken selber behandeln und auch operieren durfte.