Unklarer, nicht zuordenbarer Knieschmerz

Wenig beachtete Diagnosen am Kniegelenk Teil 3

Die Hoffaitis

Synonym: Hoffa-Kastert Syndrom

 

Beschwerden:

Bei Hoffaitis beschreiben die Patientinnen und Patienten häufig einen unspezifischen vorderen Knieschmerz, der unter Beugung zunehmen kann. Zusätzlich wird ein Völlegefühl berichtet. Der Schmerz wird als dumpf und schwer lokalisierbar dargestellt. Meist wird der Schmerz unter Belastung mit der Zeit mehr (Laufen, Radfahren,...) uns braucht dann mehrere Stunden bis Tage um wieder zu verschwinden.

Bei der Untersuchung findet man immer eine eindeutig vorderen Knieschmerz, direkt unter der Kniescheibe und oberhalb der Tuberositas. Streckt man das Knie so läßt das unangenehme Gefühl zwar nach, kann aber durch einen sanften bis mittelfesten Zangengriff um die Patellasehne herum wieder lokalisiert werden.

 

Anatomie:

Der Hoffa Fettkörper (Corpus adiposum infrapatellare) liegt zwischen Ober- und Unterschenkel genau unter der Kniescheiben (Patella) und hinter der Patellasehne. Seine Funktion liegt darin, als Platzhalter die Patella und ihre Sehne sowohl in Beugung als auch in Streckung genau in Position zu halten und am nach hinten rutschen zu hindern. Im Gelenk selbst hat der Hoffa Fettkörper (kurz Hoffa) eine sehr dünne Haut, die den Polster zusammenhält. Der Hoffa selbst hat sehr viele Schmerzrezeptoren.

Anbei eine Magnetresonanztomographie eines gestreckten Knies von der Seite:

1) Oberschenkelknochen

2) Schienbein

3) Kniescheibe

4) Hoffa

 

Ursache:

Die Schwellung des Hoffa kann sehr viele Gründe haben. In der Anamnese findet man sie häufig.

- Ein direktes Trauma auf das Knie von vorn: z.B.: Sturz auf das gebeugte Knie, lange kniende Tätigkeit, durch das Trauma kann ein kleines Gefäß zerreißen und somit die Schwellung verursachen,...

- sehr lang einwirkende Kälte: z.B.: Sport mit der kurzen Hose bei kalten Wind,....

- länger bestehende Schäden des Knies: Meniskusschaden, Kreuzbandschaden, freier Gelenkskörper

- hoch stehende Kniescheibe (Patella alta)

- Gonarthrose und Erkrankungen aus dem Gebiet des Rheuma oder der Stoffwechselstörungen

 

Diagnose:

Das wichtigste ist die genaue Anamnese inklusive exakter Erfragung von möglichen entzündlichen Erkrankungen. Die klinische Untersuchung festigt meist sehr schnell den Verdacht. Um die Diagnose zu bestätigen ist das MRT das Mittel der Wahl.

 

Therapie:

In Abhängigkeit von den Differentialdiagnosen steht die Hemmung der Entzündung im Vordergrund. Dies kann durch Medikamente (entweder zum Schlucken oder ins Knie gespritzt) erfolgen. Zusätzlich können Physikalische Maßnahmen und Physiotherapie abschwellend wirken.

Wichtig ist aber vorrangig die exakte Diagnose zu stellen um keine Zeit zu verlieren.

In einigen Fällen, kann bei anhaltenden Schmerzen eine arthroskopische Operation angezeigt sein. Dieses besonders schonende Verfahren macht es möglich, die Entzündung zu beseitigen und den Hoffa auf ein physiologisches Maß zu reduzieren.

 

 Bild Hoffaitis

 

Wenig beachtete Diagnosen am Kniegelenk Teil 2

Pes Anserinus Syndrom

 

Synonym: Pes Anserinus Bursitis

 

Was ist der Pes Anserinus:

Der Pes Anserinus ist der Ansatz von vier Muskeln am inneren Schienbeinkopf. Der Name ist lateinisch und bedeutet Gänsefuss und leitet sich von der eben gänsefussartigen Form ab. Die Sehnen des Muskulus Sartorius, Semitendinosus, Semimembranosus und Gracilis bilden ihn. Direkt dahinter und etwas darunter liegt das innere Knieseitenband. Genau in diesem Dreieck liegt auch ein Schleimbeutel (Bursa). Seine Bedeutung ist es die einzelnen Strukturen gegeneinander beweglich zu halten.

 

Was ist die Funktion des Pes Anserinus und seiner Muskeln:

Alle Muskeln sind starke Kniebeuger. Zudem sind sie für die Einstellung der Schienbeinkopfrotation verantwortlich. Spannen sie also an, beugt das Knie und der Schienbeinkopf dreht nach innen. Die Gegenspieler sind einerseits der Quadriceps als Kniestrecker und die Beuger und, die am Wadenbeinköpfchen ansetzen. In Summe ist der Pes Anserinus als eine relevante Zentrale in der Unterschenkel und Fuß- Steuerung.

Anbei finden Sie eine Skizze:Pes Anserinus Bursitis

Rechtes Knie von der Innenseite betrachtet

1 Kniescheibe

2 Schienbein

3 innerer Oberschenkelknorren

4 Patellasehne

5 Quadricpessehne

6  inneres Seitenband

7 Quadricpes

8 innerer Gastrogenmiusmuskel

9 in rot markiert Bursa des Pes Anserius

10 Pes Anserinus

Bursitis:

Eine Bursitis ist eine Schleimbeutelentzündung, unabhängig von der Ursache.

Im Falle der Bursitis des Pes Anerinus ist sie nahezu immer mechanisch bedingt.

Das bedeutet, dass entweder durch akute und/oder chronische Überlastung/ Kompression der Schleimbeutel anschwillt und sich dabei entzündet. Die Entzündung selbst ist immer schmerzhaft, zum Teil so stark, dass das normale Gehen oder Laufen nicht mehr leicht möglich ist. Seltene Ursachen können aber auch, Gicht, Tumore und Anderes sein.

 

Wie kommt es zur Bursitis:

Wie zuvor erwähnt sind es fast immer mechanische Ursachen. In den allermeisten Fällen ist diese durch Fehlbelastung des Beines bedingt.

- Arthrose: Die Abnützung des Kniegelenkes (Gonarthrose) verursacht immer eine Änderung des physiologischen Gangbildes- damit auch der Aktivität am Pes Anserinus. 50%-75% der Patienten mit Gonarthrose haben auch eine Pes Anserinus Bursitis.

- Beinachsenfehler: Aufgrund der Fehlstellung kommt es zu erhöhten Spannungswerden am Pes Anserinus. Patienten mit X-Beinen haben nahezu immer nicht nur X-Beine sondern auch eine vermehrte Aussenrotation des Unterschenkels. Dadurch entsteht beim Gehen und Einbeinstand eine  zusätzliche Verstärkung der Aktivität.

- Läufer und Laufsportler: Hier ist meist eine Kombination aus mangelhafter Lauftechnik und nicht individuell angepassten Laufschuhen zu finden. Im Besonderen ist der Pronationslaufstil dafür verantwortlich. Weiter Faktoren sind die X-Beinfehlstellung und Sprunggelenksinstabilitäten.

-Schwangerschaft:  Die kontinuierliche Zunahme des Körpergewichts zusammen mit der substantiellen Änderung des Körperschwerpunktes verändert massiv die Haltung im Stehen und Gehen. Die Änderung des Hormonspiegels führt zu einer herabgesetzten Festigkeit der Sehnen und des Bindegewebes. Dazu kommt auch eine typische Änderung des Gangmusters, die wiederum das Pes Anserinus Syndrom verursachen kann.

 

Therapie:

Die Therapie an sich ist immer konservativ. Die wesentlichste Säule der Therapie ist es die Ursache zu finden und auszuschalten. Das schließt die Optimierung des Gangbildes/ Laufbildes ein. Mit Beinachsentraining, Muskelaufbau an den erforderlichen Regionen ev. unter Zuhilfenahme von physikalischer Therapie kann aktive Therapie gestartet werden. Einlagenversorgung, Anpassung des Schuhwerkes,.... sind passive Strategien die ebenso zum Teil zeitlich begrenzt sinnvoll sind. In besonders hartnäckigen Fällen ist die gezielte Infiltration der Bursa empfohlen.

 

Wenig beachtete Diagnosen am Kniegelenk Teil 1

 

Ramus Infrapatellaris des Nervus Saphenus

 

Beschwerdebild:

Durch die direkte Verletzung des Nerven können Fehlfunktionen entstehen. Die Verletzungen können zB. im Rahmen eines schweren Prellungstraumas an der Oberschenkelinnenseite herrühren oder auch durch Operationen am Knie entstehen.

Die Patienten berichten über belastungsabhängige stechende oder schneidende sehr gut lokalisierbare Schmerzen am inneren Kniescheibenbereich.

 

Anatomie:

Die Haut um das Kniegelenk wird durch ein Nervengeflecht versorgt. Dabei spielt ein sehr kleiner Nerv aber eine große Rolle. Der Ramus infrapatellaris des Saphenusnerven.

Er ist ein rein sensibler (nur Gefühl/ nicht motorisch) Nerv der gemeinsam mit der großen innenliegenden Hautvene (Vena Saphena) an der Innenseite des Oberschenkels bis zum Knie zieht. Circa auf Höhe der Kniescheibe verlässt der Nerv den Venenkanal und läuft leicht schräg bis horizontal zur Kniescheibe, um sie und ihre Umgebung an der Innenseite zu versorgen (der Nerv teilt sich an der Kniescheibe in einen oberen, mittleren und unteren Ast).

 

Anbei finden Sie eine Skizze:Ramus Infrapatellaris des Nervus Saphenus

Rechtes Knie und Oberschenkel von vorne

1 Kniescheibe

2 Patellasehne

3 Quadricepssehne

4 Nervus saphenus

5 Vena saphena

6 Ramus infrapatellaris des Saphenusneven

 

Diagnose:

Zu allererst müssen potentielle traumatische oder degenerative Veränderung am Knie identifiziert werden. Dafür bieten sich Röntgen, MR und fallweise CT an.  Dazu kommen die exakte Anamnese und eine klinische Untersuchung. Stellt sich der Verdacht, es könne sich um einen Nervenschaden handeln, so kann eine diagnostische gezielte Infiltration des Nerven Klarheit bringen. Im Regelfall ist der Patient bereits wenige Minuten danach schmerzfrei.

 

Therapie:

Die gezielte Infiltration des Nerven kann mit Cortison mehrfach versucht werden. Bei anhaltenden Beschwerden können das therapeutische Denervierung durch Kälte oder das Entfernen des Nerv eine Option sein.