Yoga als Therapie?!

 

Kann Yoga heilen? Welche körperlichen und seelischen Effekte gibt es? Dies und vieles mehr erfahren Sie im folgenden Artikel:

Yoga bei kindern

Yoga ist eine mindestens 2400 Jahre alte Philosophie deren Ursprung im antiken Indien liegt. Kern dieser Philosophie ist es Körper, Geist und Seele im Einklang zu halten. Ein besonders wesentlicher Anteil liegt dabei in der Atmung, wobei verschiedene Atemtechniken geübt werden. Diese alte Philosophie hat viele Parallelen mit dem Buddhismus und Hinduismus erhebt aber keinerlei religiösen Anspruch. In Europa gibt es seit Anfang der 1920er Jahre erste Schulen. Die heute im Westen aktuell praktizierte Form im Sinne eines Fitness Yoga gibt es seit ca. 30 Jahren. Im Allgemeinen galt oder gilt Yoga als besonders sichere Form der körperlichen Ertüchtigung. !948 datiert die erste medizinische Publikation mit dem Thema Yoga. Ab 1955 setzte ein konstant anhaltender Trend ein so dass bis heute über 4000 wissenschaftliche Publikationen zu diesem Thema erschienen sind. 2012 erschien in der „New York Times“ einer der kontroversest diskutierten Artikel dieses Jahres. „How Yoga can wreck your body“ beschrieb dramatisch wie Verletzungen und Überlastungen beim Yoga auftraten. Bis heute gibt es relativ wenig an valider Information bezüglich des Verletzungsrisikos.

 

Um einen guten Überblick über die aktuelle Lage zu haben, habe ich Untersuchungen der letzten 5 Jahre aus ausschließlich renommierten wissenschaftlichen Journalen analysiert.

 

Eine aktuelle Studie aus den USA möchte ich aber hervorheben. Sie umfasst einen Zeitraum von 13 Jahren und in Summ über 29000 Verletzte. Die Haupterkenntnis war, dass das sich pro Jahr ca. 1-2 von 10000 Yogis verletzen. Auffallend war dabei, dass Älter ab (>65 Jahre) fast acht Mal so häufig verletzt waren als Andere. Die allermeisten Verletzungen waren Zerrungen im Rumpfbereich. Schwere Verletzungen wie Brüche oder Verrenkungen wurden beobachtet, waren aber sehr selten. Eine andere Untersuchung beschrieb die meisten Verletzungen als Zerrungen an der unteren Extremität.

Abgesehen von dieser großen Studie gibt es eine Vielzahl an hochwertigen Untersuchungen die, die erfreuliche Auswirkungen von Yoga bestätigen. Im Folgenden möchte ich Schritt für Schritt einen kritischen Blick auf Yoga als Therapieform werfen.

Fangen wir mit unseren Kleinsten an

 

Kann Yoga Kinder heilen?

Es gibt keine mir bekannten Empfehlungen ab wann Kinder mit Yoga beginnen sollten. Ein Blick in die medizinische Literatur zeigt aber dass problemlos ab dem Schulalter begonnen werden kann. Vorab möchte ich feststellen, dass in keiner einzigen Arbeit Verletzungen oder unerwünschte Nebenwirkungen bei Yoga im Kindesalter beobachtet wurden. Im Folgenden habe ich die sehr erfreulichen und ermutigenden Auswirkungen von Yogatraining bei Kindern zusammengefasst.

 

Körperliche Effekte:

Regelmäßiges Yoga erhöht massiv die körperliche Fitness von Schulkindern (im Alter ab 7 Jahren). Übergewicht wurde aber nicht beeinflusst. Die koordinativen Fähigkeiten und auch die Rumpfkontrolle und Rumpfkraft waren bei Kindern aus der Yogagruppe besser. Aber soziale Fähigkeiten im Vergleich waren in einer Gruppensportgruppe besser. Eine ganz aktuelle Untersuchung über Atemtherapie zeigte, dass Kinder die eine Stunde pro Tag Yoga praktizierten gleichgute Ergebnisse erzielten wie eine Vergleichsgruppe mit einem ganz gezielten Atemtraining. Betrachtet man dabei die überdurchschnittlich guten Kinder, so waren die aus der Yogagruppe noch wesentlich besser als die Anderen. Bei kindlichem Asthma ist Yoga nicht als Standard empfohlen, da eindeutige positive Hinweise noch nicht vorliegen. Bei Kindern mit belastungsbedingtem Asthma führte Yoga zu einer relevanten Verbesserung der Lungenfunktion.

Bei Kindern mit Bluthochdruck konnte durch Yoga eine substantielle Verbesserung des Ruheblutdrucks gesehen werden. Auch bei kindlichem Kopfschmerz wurden positive Effekte nach Yogatherapie beobachtet.

 

 

Seelische Effekte:

Yoga konnte auch bei Schulindern relevant das Stressniveau senken und Konzentration und Ausdauer steigern. Beim ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung) konnte eine sehr erfreuliche Verbesserung des Aufmerksamkeitsniveaus beobachtet werden. Bei autistischen Kindern konnte Yoga die Schwere der Krankheit senken. Kinder mit psychiatrischen Erkrankungen konnten ebenso sehr von Yoga profitieren- es wurden weniger Stürze und verbesserte Fitness gesehen. Kinder mit schweren Verbrennungen und Angststörungen profitierten ebenso relevant von Yogatherapie.

 

Yoga und Krebs:

Krebs bedeutet für alle Involvierten eine unglaublich dramatische Belastung- ganz besonders wenn ein Kind an Krebs erkrankt. Wenige Untersuchungen liegen hierzu vor, aber es scheint wie auch bei Erwachsenen einen stressreduzierenden- angstlösenden Effekt bei schwerstkranken Kindern mit Yogatherapie zu geben. Besonders wertvoll dabei ist, dass die Kinder unter Yogatherapie besser schlafen können und die Belastung der Chemotherapie etwas besser ertragen.

 

Zusammenfassung Yoga bei Kindern:

Aus aktueller Sicht kann Yoga keine einzige Krankheit heilen, aber sehr viele zum Teil enorm positiv beeinflussen. Es besteht ein nachweislicher Effekt in der Verbesserung der Koordination, der Rumpfkraft, der Konzentration und Ausdauer. Kinder können sich durch Yogatherapie besser entspannen und Stress durch den Alltag oder Krankheit besser verarbeiten. Aktuell ist in Österreich die Yogatherapie bei keiner Krankheit als Standard anerkannt.